Der schönste Tag im Leben – Zuschauen beim Hochzeitstortenschmücken

Hochzeitstorten sind Chefsache. Frank Hochstätter, Feinschmecker, Tortenkünstler und Chef-Confiseur bei Rischart, bietet den vollen Service für Heiratswillige. Bei einem ersten Treffen in der Buttermelcherstraße erwarten das künftige Brautpaar massenweise Probierstückchen, eine Führung durch die offen gestaltete, lichtdurchflutete Backstube und natürlich eine komplett individuelle Beratung. Dabei, verrät er mir mit einem Augenzwinkern, sind auch psychologische Fähigkeiten gefragt, denn die Ansprüche an den schönsten Tag im Leben sind hoch, der Druck, alles perfekt zu organisieren spürbar und die Stimmung zwischen den baldigen Eheleuten nicht selten angespannt. Interessant ist auch seine persönlich geführte Statistik. Die Hoheit über die Hochzeitstorte liegt demnach ganz klar bei den Frauen. In seinen 13 Jahren als Hochzeitstraumerfüller hat erst dreimal (!) der Mann über die Torte entschieden!

Die Arbeit an einer Hochzeitstorte erfordert definitiv künstlerisches Geschick, handwerkliches Können und natürlich einen großen Erfahrungsschatz, auf den man im Ernstfall zurückgreifen kann. Durchschnittlich vierzehn Stunden arbeiten mehrere Konditoren an einer Torte. Alleine bis der Grundkörper steht sind unzählige konzentrierte Handgriffe erforderlich. Alle Cremes, Füllungen und Böden werden selbstverständlich selbst hergestellt. Das unterscheidet sich aber nicht groß vom Tagesgeschäft, sagt der Chef.

Vor allem an der Garnierung wird viel und lange gearbeitet. Gleichmäßige, feine Schriftzüge aus Eiweißspritzglasur, zarte Blümchen oder prächtige Figuren aus Marzipan, Schokoladengitter, Goldstaub und üppige Sahneverzierungen verlangen Konzentration und Stehvermögen, denn ein Konditor arbeitet die meiste Zeit im Stehen. Verdient ist dabei übrigens kaum etwas. Der hohe Arbeitsaufwand macht die opulenten Hochzeitstorten nicht selten zum Minusgeschäft. Ein toller Imageeffekt bei den Hochzeitsgästen ist aber in jedem Fall drin.

Hektisch wird es dann, wenn etwas schiefgeht  oder das Wetter nicht mitspielt. Auch ein Meister auf seinem Gebiet kann die Grenzen der Physik nicht überwinden. Wenn Sahne und Marzipan auch bei hohen Temperaturen in Form bleiben sollen, ist Können aber auch Flexibilität gefragt. Notfalls muss schon mal kurzfristig umdisponiert werden. Dann gilt es, die Wünsche des Brautpaars genau zu kennen und zu 100 Prozent in ihrem Interesse zu handeln. Er erzählt mir von seinem stressigsten Moment in seiner langen Amtszeit. Eine siebenstöckige Torte fiel beim Transport im Lieferfahrzeug um. Dann musste er innerhalb von 30 Minuten aus einem unförmigen Haufen Sahnetorte ein Kunstwerk zaubern. Natürlich hat er auch das geschafft!

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